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Wenn der Diminutivwahn Amökchen läuft

Über Geschmack lässt sich ausgiebig streiten. Über Ausdrucksformen auch. Wo der Zeitgeist gespenstisch waltet, gibt es oftmals kein Halten mehr.
Eine besonders gruselige Entwicklung in diesem Zusammenhang ist der grassierende Diminutivwahn.

Sie hießen Trix und Flix. Sie begleiteten sechzehn Mannschaften im Verlauf der Fußball-EM in Österreich und der Schweiz.
Mittlerweile dürften diese extraterrestrisch anmutenden Geflügelgeschöpfe mit spitzgekämmten Rotschöpfen den Weg alles Irdischen gegangen sein. In einer der wenigen noch verbliebenen Wienerwald-Niederlassungen mag man sie eventuell in gesottener, gebackener oder gebratener Gestalt wieder finden.

Ein Schicksal, das ich von ganzem Herzen einer der grässlichsten Marketing-Kreationen überhaupt wünsche. Das war Goleo. Anscheinend im Absinthrausch ersonnen und unter Kokaineinfluss endkonzipiert, präsentierte sich seinerzeit einer der peinlichsten Verschnitte aus der Canidae-Familie, kurzbehemdet, auf knorrigen Hinterbeinen gehfähig und mit einem Schwanz wie eine vom Hurrikan gebeutelte Palme. Das ist ja schon einige Jahre her und war bei der WM in Deutschland angesagt.

Wer vergibt solche Aufträge? Wer heißt deren Ausführung gut und fördert mit richtigem ganz echtem Geld ihre Markteinführung?

Sind es Bürokraten, die zu Mädchen- respektive Knabenzeiten Knax, das Kindermagazin der Sparkassen lasen?

Setzte sich ihre Ausbildung dergestalt fort, dass sie im ersten Grundschuljahr mit Fibelix – dem Rechtschreibbuch für die kleineren Geister arbeiteten, auch EinsixundZweiix – das tolle Mathebuch für die Pause in der Schultasche trugen, um schließlich während des Marketingstudiums bereits in der Lage waren, Kontaktix die Zeitschrift für gaaaaaaaaanz doll easy Marketing machen zu lesen?

Der Verniedlichungswahn greift um sich. Es lebe der Diminutiv. Die Verkleinerungsform hat ihren Gipfelpunkt noch nicht erklommen.

Zunehmend grüßt man mit Hallöchen und ab und zu vernahm ich abschiedsmäßig auch schon mit Grausen ein Tschauchen.

Tschüssikofski

Ihr
Gerhard Kerner

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