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Irgendwann

Irgendwann trifft es uns alle mal. Mit schicksalhafter Wucht und der Unvermeidbarkeit der Wiederkehr des Christkinds zu Weihnachten kommt es auf jeden von uns zu. Zwar sind wir dann ein wenig überrascht, und wissen nicht so genau, wie wir reagieren sollen, aber am Ende sagen wir doch Na klar und heucheln Begeisterung.
Die gefürchtete Situation steht uns dann bevor, wenn der jeweilige Lebensabschnittspartner verklärten Auges in unseren Weg tritt, uns jedwede Ausweich- oder Fluchtmöglichkeit versperrt und in der Tathand zwei Tickets hält, mit denen er sich nonchalant und beiläufig Luft zufächelt.
Also am dreiundzwanzigsten gibt es ein herrliches Symphoniekonzert. Du hast doch auch Lust, oder?
Während Sie noch betreten auf ihre Schuhspitzen gucken, hauchen Sie schon Ihr bigottes Aber sicher, mein Schatz und überlegen dabei krampfhaft, wie Sie die Tortur überstehen sollen.
Bei der Einladungsfrage ist das Datum durch ein beliebiges und die Worte herrliches Symphoniekonzert durch bezaubernden Ballettabend ersetzbar.
Einfach schauderhaft, aber mit ein wenig Erfindergeist lässt sich selbst ein solcher Abend überstehen.
Hier sei nur nebenbei erwähnt, dass das Unternehmen Hans Riegel aus Bonn, kurz HARIBO, wohlschmeckende Gelatineprodukte herstellt. Diese verpackt sie zwecks Veräußerung in Einzelhandelsmärkten gerne in Klarsichttüten. Als Konzert- oder Ballettabendbesucher gilt es nun, stets eine solche Tüte zur Hand zu haben. Sie dient der facettenreichen Überbrückung der Zeit bis zum Vorführungsbeginn. Alldieweil nämlich die Damen und Herren im Orchestergraben noch eifrig ihre Instrumente stimmen, können Sie mit einer derartigen Tüte Ihre Sitznachbarschaft trefflich unterhalten.
Sie werden erfreut sein über den Glanz der Begeisterung, der aus den Gesichtern der Umsitzenden leuchtet, wenn Sie zuletzt genau an der Stelle, an der endlich der Dirigent gebietend die Hände hebt, diese drei Sekunden, in denen alle mucksmäuschenstill sind und das letzte Hüsteln verhallt ist, die Tüte recht geräuschvoll und jackentaschengerecht zusammenfalten.
Doch was danach?, fragen Sie zu Recht. Hier hat der vorausschauende Konzert-/Ballettbesucher eine Handvoll Haferflocken mitgebracht. Die krümele man klein und verteile sie auf den frisch gereinigten Jackets und Kostümjacken der Damen und Herren in der Reihe davor. Köstlich kann man sich dann am Anblick dieser simulierten Kopfhautschuppen weiden. Erst recht in der Pause, wenn alle zum Sektausschank strömen, und angewidert erkennen: Igitt. Neben welch einem ungepflegten Erdenbewohner sitze ich denn da? Hat der noch nie was von Anti-Schuppen-Shampoo gehört?
Mit solcherlei Schabernack lassen sich zur Not doch auch mal zwei Stunden rumbringen.

Ihr
Gerhard Kerner

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