Events

Events sind eine nette Sache. Ihre Aufgabe ist, den Eingeladenen zu erheitern, ihn mit diversen Bonusergötzungen zu erfreuen und als treuen Kunden wieder in den Alltag zu entlassen. Vorbei die Zeiten, als Firmenjubiläen und Incentives für Mitarbeiter sich aus den altbackenen Bausteinen Dinner und Reden zusammensetzten.
Warum denn auch? Wieso sollte es dem Gast möglich sein, sich in Ruhe mit seinem Tischnachbarn zu unterhalten und nur dann, wenn er es wirklich will, einem ausgedehnten Unterhaltungsprogramm samt Pianospieler und Chansonette auszusetzen?
So geht das nicht mehr!
Der Festausrichter beauftragt den Eventmanager damit, eine größtmögliche Ladung an Gästebelästigern aufzufahren und über den Feiernden auszukippen. Als da sind: Close-Up-Magicians, Stand-Up-Comedians, Funny Servants, Lapdancing-Akrobaten und dergleichen Nervensägen mehr.
Kaum habe ich also den ersten Löffel delikater Jakobsmuschelsuppe zum Mund geführt, steht auch schon ein grinsender Hogwarts-Absolvent an meiner Seite und fordert mich auf, eine Karte zu ziehen. Pflichtgemäß tut man überrascht und lässt das Programm über sich ergehen. Kaum ist der Höhepunkt vorbei, heuchele ich Erstaunen darüber, dass der Magiekundige auf die richtige Karte getippt hat, um mich wieder meiner mittlerweile eiskalten und gar nicht mehr so köstlichen Suppe zuzuwenden.
Wage ich, das Roastbeef auf meinem Teller anzuschneiden, taucht wie aus dem Nichts eine Edith-Piaf-Imitatorin auf, krächzt Je ne regret rien und plumpst auf meinen Schoß, um mich coram publico anzuschmachten. Die Unbelästigten um mich herum freuen sich königlich, ziehen die Köpfe ein, um nicht zum nächsten Ziel der Sängerin zu werden und genießen frech vor meinen Augen ihr Hauptgericht.
Von der Nachspeise, die laut Menuekarte aus acht verschiedenen Sorten Mousse bestehen soll, kriege ich überhaupt nichts ab. Sie wird von einem überaus lustigen Comedy-Kellner serviert. Und der gibt sein Bestes, indem er hilflos zwischen den Tischen herumhampelt, immer mal wieder kleckert und mit Besteck um sich wirft, während charmante und fleißige Servierdienstleistende die Mousse-Teller an die Tische bringen.
Allen! Außer mir. Ich werde ja schließlich vom Comedian bedient.
Gehen Sie dieses Wochenende mal eventarm essen. Eine Diät, die den Sinnen wohltut.

Ihr
Gerhard Kerner

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