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Albtraum

Splitterfasernackt auf dem Bahnhofsvorplatz stehen, beim Verlassen eines Sexshops dem ehemaligen Religionslehrer begegnen, im Lesesaal einer Bibliothek einen Lachkrampf kriegen oder beim Wiener Opernball gemeinsam mit Fürstin Gloria den Reigen eröffnen müssen. All das sind Situationen, die sich verkraften lassen. Schließlich finden sie ja nur dann statt, wenn man nach dem Verzehr einer Schweinehaxe mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln zu Bett geht, um dann völlig zu Recht von Albträumen geplagt zu werden.

Als ungekrönter König der deutschen Sprache jedoch kundenseitig genötigt zu werden, ein Mailing mit „Wir machen Schweinepreise“ zu beginnen, nun, das ist wirklich peinlich. Ein Albtraum im realen Leben eben.

Verstoß Nummer eins: Den Mailing-Empfänger kratzt nicht im geringsten, was „wir machen“. Er will seinen Benefit erfahren.

„Preise machen, Liebe machen, Hausputz machen oder Haare machen“ sind Stammtischwendungen, die auch an denselben gehören.

Und letztlich ist der rechte Platz für das Kompositum „Schweinepreise“ nach jahrelangem Missbrauch nur noch einer: Der Schweinekober. Dort sollte es auch bleiben, um langsam vor sich hin zu modern.

Noch eine Information gegen Schluss, bevor es zu Diskussionen kommt: Nach der Schlechtschreibreform sind sowohl die Schreibweisen Alptraum als auch Albtraum erlaubt, wobei ich die letztere bevorzuge, da sie auf den Wortursprung (Alben = Nachtmahre aus der germanischen Mythologie) verweist. Doch war der Duden schon von jeher der Weichspüler der deutschen Orthographie.

All diese Gedanken jedoch brauchen Ihnen keine Albträume zu bereiten. Zur Textierung haben Sie ja uns.

Schlafen Sie wohl diese Nacht.

Ihr
Gerhard Kerner

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